Die Idee ist nichts, was vom Himmel fällt aber auch nichts, was sich erzwingen lässt. Kreativität entsteht, wo sie sein darf, wenn man sie zulässt – und lockt. Und manchmal hilft der Papst. Es gibt Tage, an denen ich noch stolzer bin auf dieses Unternehmen.

Es gibt unverrückbare Termine im Jahresablauf – das weiß jedes Kindergartenkind. Weihnachten gehört dazu. Ein Freitag Mitte Dezember. Vor einem Jahr um diese Zeit haben wir unter höchstem Zeitdruck und in höchster Perfektion die Weihnachtshampelmänner geboren. Aus einer Laune heraus sind wir zusammengesessen. Definitiv zu spät, definitiv entschieden, es dieses Jahr mal eine Nummer kleiner angehen zu lassen. Weihnachtsideen seit 1996 – eine geht noch? Peter Joehnk hat schon gefragt, was wir dieses Jahr liefern…

Die Weihnachtshampel sind unique und ich weiß nicht mehr, wie wir darauf gekommen sind, Jozo hat sie umgesetzt – ihm sei Dank. Aber es kam aus dem Team und es ist uns und mir völlig egal, wer darauf kam, wer die Idee hatte oder den schrägen Gedanken. Der Hampelmann ist ein Kinderspielzeug, eine Gliederpuppe aus Pappe mit beweglichen Armen und Beinen, die durch das Ziehen von Schnüren bewegt werden können. Wir haben ein Design aus den 20er-Jahren (voriges Jahrhundert) entwickelt mit Anzieh-Gesichtern von uns selbst. Mit einer Schere, einem Locher und etwas Aufmerksamkeit kann sich jeder Kunde seinen idpool-Zuarbeiter selbst basteln. Wenn man an der Schnur zieht, freut sich der kleine Dienstleister.

Es gibt für mich nichts Schöneres, als Kunden anzuregen: Sich kreativ mit uns zu befassen, etwas zu tun oder zumindest nachzudenken. Viele Male habe ich mich seither selbst oder Kollegen übers Jahr an Pinnwänden beim Kunden hängen sehen. Ja – so ist es: geht ab wie am Schnürchen. Etwas anderes ist mir noch viel wichtiger. Mein Lieblingspapst, Johannes XXIII, hat es sich selbst ins Stammbuch geschrieben: „Nimm Dich nicht so wichtig Giovanni!“, hat er gesagt. Wenn ein Papst das sagt! Könnte uns ein Vorbild sein in einer Welt der Head-ofs… und des Ehrenkäses.

Wir sind nicht wichtig – die Idee ist es. Und die ausgerechtet fehlt jetzt für Weihnachten 2017.

Wir alle wissen, dass wir eine Idee liefern müssen/sollten/möchten/dürfen für unsere Kunden und deshalb gehen wir mit der Weihnachtskarte schwanger, seit die Lebkuchen im Regal liegen. Aber nicht konkret – es geht darum, den Moment zu finden, in der die Mutter der Idee kreißt.

Es ist Freitag, der 8. Dezember. Zwei Wochen vor Weihnachten. Um 13.30 Uhr noch eine Telefonkonferenz, dann rufe ich die Kollegen zusammen. Was machen wir denn eigentlich als Weihnachtskarte? Nein – das ist Geschichtsklitterung: Marc Millenet tut es. Ich hätte fahrlässig noch ein wenig zugewartet. Aber dann sitzen wir wirklich zusammen; im Kreißsaal.

Steile These am Anfang. Donald Trump läutet eine neue Phase des Dada ein. Man darf alles tun und alles machen was man will („… der ist Kunst…“, „… der ist der nächste Kurt Schwitters …“): Weihnachten in Aspik, Weihnachts-Bingo, Weihnachts-Hashtags, Weihnachts-Hasch-Keks… Es harzt (im ursprünglichen Wortsinne) und alle, inklusive Chef, wollen Feierabend (der ist auch nur ein Mensch, der das hier schreibt).

Wer Probleme mit dem Schlafen hat und mit der Absicht ins Bett geht einzuschlafen, hat schon verloren. Wir wechseln die Positionen. Millenet lüftet, Rannacher holt sich einen Keks, ohne mir einen mitzubringen, ich gehe an die Tafel und schreibe Weihnachten ohne Vokale „WHNCHTN“.

Giovanni XXIII – lieber Papst aus dem dritten Absatz – hilf uns!

Einen Rosenkranz später haben wir sie, die Weihnachtskarte. Vorne Typo Weiß auf Weiß.

„Heute werde ich etwas Gutes tun und niemandem davon erzählen.“

Das ist die Caritas, die auf evangelisch Diakonie heißt. Und der Satz ist wieder ein Zitat vom Lieblingspapst aller wohlmeinenden Anarchisten. Aber: Ein Zitat ist noch keine Idee – es kommt auf den Kontext an.

Was der Papst sagt, ist das Gegenteil von dem, was PR-Fuzzis predigen:

„Tue Gutes und rede darüber! “

Wir werden die Karte also ohne Absender verschicken („… und niemanden davon erzählen“). Nur auf der Rückseite, gegenüber der Adresse ein Tipp in bescheidener Brotschrift:

„Heute mal keine PR. “

Danke Giovanni. Danke Kollegen.

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