Das digitale Marketing ist kaputt und muss mit Storys und Daten repariert werden – das sagt Dr.  Jürgen Seitz, seines Zeichens Professor für Marketing, Medien und Digitale Wirtschaft an der Hochschule der Medien (HDM) in Stuttgart. Katharina Rannacher und Marc Millenet haben seinen spannenden Vortrag zu diesem Thema im Rahmen der 66. Mercedes-Benz Social Media Night miterlebt und einige Erkenntnisse gewonnen, die den idpool-Mitarbeitern seltsam vertraut vorkamen. Man könnte auch sagen: Wir haben’s ja immer schon gewusst!

Tatsächlich analysierte Seitz in seinem Vortrag den aktuellen Zustand der digitalen Werbung ähnlich, wie wir das auch bei idpool tun: Banner- und Anzeigenwerbung im Internet sorgt zwar für Reichweite, jedoch nicht für Relevanz! Studien zeigen, dass gerade die besserverdienenden, jungen und gut gebildeten Internetnutzer in hohem Maße Ad-Blocker einsetzen und dass fast alle Websurfer gelernt haben, Anzeigen und Banner in jedem Format gedanklich auszublenden. Als „Reparaturvorschlag“ für das digitale Marketing propagiert Jürgen Seitz daher die Kombination von Content und Data.

Dabei sei Content nicht mit der wahllosen Produktion von Inhalten zu verwechseln, sondern müsse immer eine Story erzählen – denn nur eine gute Geschichte könne Emotionen transportieren, die im Gedächtnis haften bleiben. Letztlich haben Unternehmen auch keine andere Wahl, als ihre eigenen Geschichten zu erzählen, denn wer das nicht tut läuft Gefahr, zum „Story-Opfer“ zu werden, über das die anderen, etwa der Wettbewerb oder unzufriedene Kunden und Partner die Geschichten erzählen. Es reiche jedoch auch nicht aus, seine Geschichten im Format „awesome for all“ zu erzählen, also zu versuchen, seine Inhalte so breit wie möglich zu streuen, um eine möglichst breite Allgemeinheit anzusprechen.

Hier kommen laut dem Wissenschaftler die Daten ins Spiel: Unternehmen müssten das vorhandene Datenmaterial nutzen, um ihre Zielgruppen so genau wie möglich kennenzulernen. Basierend auf diesen Kenntnissen müssen die Storys exakt auf die unterschiedlichen Zielgruppen zugeschnitten und punktgenau dort abgeliefert werden, wo die Rezipienten offen und bereit dafür sind. Es sei ein bisschen so, wie in der Weisheit, die ihm sein Vater mit auf den Lebensweg gegeben habe, plauderte Seitz aus dem Nähkästchen: „Wenn du deinen Mitarbeitern eine Botschaft vermitteln willst, halte kein Townhall-Meeting ab, sondern gehe zur größten Tratschtante im Betrieb und erzähle ihr die Neuigkeiten unter dem Siegel der Verschwiegenheit.“

Das gilt, so möchten wir ergänzen, seit alters her für jeden Marktplatz in jedem Dorf der Welt, und nicht minder für die Marktplätze im globalen Dorf von heute.

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